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Der Sommer, der ewig währte

Schön langsam komme auch ich im Herbst an. Für mich hatte der Sommer 2026 schon früh begonnen. Müde fuhr ich im Mai nach Grado. Ich hatte viel gearbeitet, meinen ersten Roman veröffentlicht und schrieb seit Monaten an einem größeren Projekt, einer Liebesgeschichte zwischen zwei Schriftstellern. Ich wollte nicht mehr über Grado schreiben, doch dann hatte sie mich wieder, die Inspiration aus Grado. Zwei Tage nach meinem Grado-Aufenthalt stoppte ich mein Schreibprojekt, denn ich hatte die Idee aus Grado mitgenommen. Ich zog die neue Inspiration vor. Es folgte ein Schreibaufenthalt in Kroatien, der eher zu einer Abenteuerreise wurde und weniger dem Schreiben diente. Nach Kroatien ging es direkt weiter – wieder nach Grado – beruflich. Doch irgendwie vermischte sich dort Berufliches mit Privatem. Das lässt sich oft nicht mehr trennen. Vielleicht liegt es daran, dass die Dinge, an denen ich arbeite, mir so viel Freude bereiten, dass ich sie nicht als Arbeit bezeichnen würde. Als ich Grado verließ, stand fest, dass ich Ende September wieder kommen würde.

Die Monate dazwischen ließ ich mich treiben, im Atlantik, vom Leben, vom Sommer. Das Gefühl der Leichtigkeit, der Freude erfüllte mich wochenlang. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal so viel gelacht habe. Oft musste ich aus heiterem Himmel lachen. Vielleicht lag es auch an den Menschen, die mich auf meinen Reisen begleiteten, mit denen ich zuvor aber noch nicht zusammen verreist war. Irgendetwas hatte sich in mir geändert, vielleicht geöffnet. Ende September war ich wieder in Grado – zum Schreiben. Es sollte der Abschluss meines Sommers sein, meiner Notizen. Abschluss war es keiner, eher das Gegenteil: Es war ein Ankommen. Ein Ankommen bei mir selbst.

Den Sonnenschein aus Grado nahm ich mit nach Hause, nach Österreich. Er hält noch an, der Sonnenschein, doch die Natur zeigt mir, dass wir im Herbst angekommen sind. Ich telefoniere mit einer Freundin, die mich bei meinen Grado-Reisen diesen Sommer begleitete. „Was war das für ein toller Sommer! Er fühlte sich unendlich frei an.“ „Es war der Sommer, der länger zu währen schien als jeder zuvor“, war ihre Antwort.

 

 

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