Split. Ich hatte mich dazu entschlossen, die ruhige Insel für einen Tag zu verlassen und nach Split aufzubrechen. Früher war ich oft in Split, doch jetzt schon mehrere Jahre nicht mehr. Italien lenkt mich immer wieder ab.
Als ich in Split aus dem Auto steige und entlang der Riva gehe, kommt mir sofort Nizza in den Sinn. Ich biege in die Altstadt ein, komme an einer Eisdiele vorbei – L’amore per il gelato. Italien in Split. Ich gehe ein paar Schritte weiter, der Orancello sticht mir wieder ins Auge. Ich sehe ihn sehr oft hier in Dalmatien. Mir ist nur der Limoncello aus Italien vertraut. Ein Durchgang führt zu einer Art Hof. Das Rot-Orange der Fassade zieht mich an. Es handelt sich nicht um einen Hof, sondern um den Platz der Prokurative. Die Fassade im venezianischen Stil erinnert mich nun an Venedig. Noch mehr Italien in Split. Ich gehe weiter, komme wieder an einer Gelateria vorbei, beschließe, mir Pistazieneis zu kaufen. Ein paar Läden weiter kaufe ich eine Handtasche. Ich liebe es, Gewand und Dekorationsgegenstände im Ausland zu kaufen. Diese Gegenstände bringen mich gedanklich zurück an schöne Orte, lassen mich alles nochmal erleben und spüren. Ich gehe weiter durch enge Gassen hindurch, entdecke Restaurants, Modeläden, Bars. Ich stelle fest, dass sich irgendetwas verändert hat, entweder Split oder meine Wahrnehmung. So schön wie heute hatte ich Split nicht in Erinnerung. Als ich an der Pjaca ankomme, muss ich stehenbleiben. Ich hatte diese Schönheit vergessen. Alles strahlt mir in Weiß- und Beigetönen entgegen, der Kalkstein unter mir ist aufgrund der millionenfachen Tritte poliert und von irgendwoher höre ich Geigenmusik. Ich fühle mich wie auf einem Parkett, würde am liebsten tanzen. Diese Helligkeit, dieses Strahlen dieses Platzes bewirkt etwas in mir. Auch auf diesem Kalkstein zu stehen, löst etwas in mir aus. Das ist auch der Grund, warum bei uns zu Hause in Österreich um das Haus Kalkstein aus Kroatien verlegt und zum Teil auch an der Fassade angebracht wurde. Weil er strahlt dieser Kalkstein, weil er noch mehr Helligkeit bringt und weil es sich unendlich gut anfühlt, darauf barfuß zu gehen. Ich habe ihn nach Österreich geholt, weil ich wusste, dass viel kroatische Sonne in ihm steckt und er mir viel Freude bereiten wird.
Schließlich gehe ich zurück zur Riva, beschließe in einem Café den Sonnenuntergang zu bestaunen, das goldene Licht. Ich beginne über meinen ersten Split-Besuch nachzudenken. Ich war noch Studentin und hatte in einer Galerie in der Altstadt ein Bild von Split entdeckt, dessen Farben wunderschön waren. Es war teuer. Ich saß auch in einem Café an der Riva und dachte über das Bild nach. Bevor ich Split verließ, ging ich zurück in die Galerie und kaufte das Bild. Mein erstes Bild kaufte ich in einer Galerie in Split. Ich werde es nie vergessen. Drei Bilder aus Kroatien, Dekorationsgegenstände aus Kalkstein und Keramik verschönern heute mein Zuhause in Österreich. Sie erinnern mich an die Farben Kroatiens, an die Ruhe, an die Sonne und natürlich das Meer.
Tage später muss ich noch immer an Split denken und an die wunderschönen handgefertigten Schuhe von Ivan Ledenko. Ich glaube, ich muss sie mir noch holen. Zum Tanzen auf dem Parkett in Österreich oder vielleicht in Italien.
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