Chris Schön, Bestsellerautor, berichtet:
Wann und wo wollen wir uns treffen? Das war Avas Nachricht, nachdem ich sie nach einem Treffen fragte. Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich sie las. Ich saß bei mir zuhause beim Schreibtisch, um an meinem Manuskript zu arbeiten. Der dunkelgraue Vorhang war vor das Fenster neben meinem Schreibtisch gezogen, damit mich das Sonnenlicht nicht blendete. Außerdem mag ich die Dunkelheit ganz gerne. Sie unterstützt meine Traurigkeit, meine Melancholie, die ich zum Schreiben brauche. Avas Nachricht brachte mich zum Lächeln. Ich war erleichtert, denn sie hatte mir nach genau 3 Stunden und 18 Minuten zurückgeschrieben. Ich atmete auf. Ich schob den Vorhang zur Seite. Dabei lösten sich Staubpartikel, die schon zu lange auf der Fensterbank, dem Heizkörper und dem Vorhang verharrt hatten, und tanzten im Strahl der Sonne. Ich wich zurück, denn das grelle Sonnenlicht schmerzte in meinen Augen. Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und las erneut Avas Nachricht. Ihr Profilbild trug etwas Geheimnisvolles. Ihre dunkelbraunen, glatten, akkurat geschnittenen Haare in Kombination mit ihren eisblauen, strahlenden Augen – das alles war besonders. Ich schloss meine Augen und dachte an sie. Ich freute mich auf sie. Auf unser Kennenlernen. Eine Woche zuvor war sie noch in Juan-les-Pins gewesen. Frauen, die das Meer lieben und am Meer waren, tragen ein gewisses Flair mit sich. Ich freute mich auf ihr Strahlen und ihren Esprit. Da merkte ich, dass ich in Träumereien verfiel. Das wollte ich nicht. Ich hatte an diesem Tag noch viel abzuarbeiten, einen Plan einzuhalten. Schließlich verfolgte ich ein Ziel. Im Gegensatz zu Ava. Sie schien eine Traumtänzerin zu sein. Eine, die in den Tag hineinlebt. Und schon wieder war ich bei ihr. Ich riss mich aus den Gedanken an sie. In vier Wochen hatte ich mein Manuskript dem Verlag vorzulegen, Anfang nächster Woche noch einen Lesetermin in Paris, gefolgt von einem in Salzburg. Vor der Lesung in Salzburg vereinbarte ich das Treffen mit Ava. Ich schrieb ihr: Tomaselli um 10 Uhr, zog, den Vorhang wieder zu, rückte meinen Stuhl korrekt an den Schreibtisch, nahm eine aufrechte Haltung ein und arbeitete weiter an meinem Manuskript.
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