Ich war wieder einmal Quereinsteigerin. Dieses Mal im Kunstgeschichtekurs. Es störte mich nicht, ich war es mittlerweile gewohnt. Auch beim Schreiben war ich Quereinsteigerin gewesen und es machte mich sehr mutig. Nun sitze ich in Mattsee. Im Kunstgeschichtekurs Impressionismus, aus persönlichem Interesse und aufgrund meines zweiten Romans.
Ich fühle mich sehr wohl im Dachgeschoss des Mattseer Schlosses. Der Raum wird verdunkelt. Hinter mir ist ein kleines Fenster, hinter dem sich der smaragdgrüne See erstreckt und durch das Licht hereinfällt. Vor mir die Leinwand und der Kunstprofessor. Er legt los. Ich freue mich. „Die Malerei ist ein Handwerk, das gelernt sein will“, sagt er. In mir zieht sich etwas zusammen. Eine Erinnerung kommt in mir hoch. Vor gut einem Jahr hörte ich diesen Satz auf die Schriftstellerei bezogen von einem Autor. Ich versuche mich wieder zu entspannen. Heute will ich das Zuhören genießen. Ich mache mir Notizen und nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass alles zu fließen beginnt. Die Worte für meinen zweiten Roman fließen. Ich unterteile nun mein Notizheft. Ein paar Seiten sind für die Notizen zur Kunstgeschichte und ein paar Seiten für die Sätze zu meinem Roman gedacht. Berthe Morisot beeindruckt mich. Das, was der Professor über sie erzählt. Unverheiratet war sie, finanziell unabhängig. Und sie kümmerte sich wenig um den Geschmack der anderen. Das Malen war für sie eine Art Selbstfindungsprozess. Wir gehen diverse Bilder der Impressionisten durch. Das Wort sfumato fällt oft. Es dürfte wichtig sein. Vieles aus der Malerei lässt sich auf das Schreiben anwenden. Ich bin fasziniert und schreibe weiter, kann kaum noch aufhören. Wir kommen nun zu Monet. Schon lange inspiriert er mich. Seine Bilder berühren mich, sie lösen etwas in mir aus. Nun muss ich wieder an Hemingway denken. Ich sinniere über die Parallelen zwischen Hemingway und Monet, über das Einfangen von Stimmungen und flüchtiger Momente. Als wir zu den Seerosenbildern Monets gelangen, komme ich langsam wieder im Kunstgeschichtekurs an. Sfumato gleite ich in die Realität. Doch die Realität scheint mich wieder zu verlassen, als ich nach dem Kurs allein entlang des Sees spaziere. Ich betrachte die gelben Iris am Ufer und die Seerosenblätter, die sich zärtlich vom See tragen lassen. Der Mann von der Bootsvermietung winkt mir zu, später noch einer, den ich schon beim Frühstück im Café sah. Das Strahlen des Sees, des Himmels, des gelben Hauses, das sich im Wasser widerspiegelt, die Wolken, das Blau des Himmels, das Weiß der Segelboote, das Grün der Wiesen und Bäume, alles wirkt heute so anders auf mich. Alles leuchtet mehr. Der Mattsee ist heute wunderschön. Er berührt mich sanft. In ihm finde ich nun das Leuchten, das ich bereits im Meer, im Attersee und in einigen Bildern Monets zu sehen vermochte. Dieses spezielle Leuchten, das nicht nur die Umgebung heller macht, sondern auch mich.
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