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Windgeflüster

Im Frühling hatte sie mir geraten loszulassen. Ich konnte nicht, da ich nicht wollte. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Ich entschied mich dafür zu warten. Auf was, wusste ich nicht. Vielleicht auf dich oder auf den Impuls dich loszulassen. Ich beschloss gleichzeitig, es mir gut gehen zu lassen, und zwar in jeder Hinsicht. Ich wollte das Leben in vollen Zügen genießen und das machte ich auch.

Schließlich kam der Herbst. Ich war viel draußen. Ich beobachtete das Farbenspiel der Bäume, den Wind und den Nebel. Ich durfte von den Bäumen und den Blättern lernen, dass man manchmal nicht die Wahl hat. Manchmal ist es einfach an der Zeit loszulassen.

Am 11. November saß ich vormittags mit einer Tasse Kaffee beim Esstisch und blickte raus in den Garten. Ich blickte auf die Bäume und die herumwirbelnden Blätter und ich wusste plötzlich, dass es nun für mich an der Zeit war, loszulassen. Ich ging zur Terrassentür und ohne Jacke raus in den Garten. Mit ausgestreckten Armen drehte ich mich im Kreis. Es war ein Tanz im Wind. Ich war glücklich. Ich flüsterte dem Wind, dass er auf dich aufpassen soll und dass ich dich liebe, aber dass es nun an der Zeit sei, loszulassen. Regen kam auf und ich tanzte glücklich weiter. Ich verspürte Freiheit in mir. Schließlich ging ich wieder ins Haus und stellte mich unter die Dusche. Dann machte ich es mir auf der Couch gemütlich. Ich schnappte mir den Laptop und stornierte das für Dezember gebuchte Hotel in Verona, buchte stattdessen eines in Österreich. Ich wollte nun doch lieber Schifahren gehen.