Am Freitagmorgen sitze ich im Café Matisse bei italienischem Espresso und Pistaziencroissant auf einer spanischen Insel. Ich reiste viel in den letzten Wochen. Italien, Kroatien, wieder Italien und nun Spanien. Mein Handy läutet. Er ist es. Wir lernten uns letzten November beim Altausseer See kennen. Ich war alleine unterwegs. Ich wollte meinen Kopf frei bekommen zum Schreiben, was mir gut gelang. Am Ende der Seerunde saß er auf einer Parkbank und malte. Ich fragte ihn, ob ich ihm zusehen dürfe. Er machte Platz neben sich auf der Bank und ich setzte mich zu ihm. Ich erzählte ihm, dass ich Schriftstellerin sei, einen Verlag für mein Manuskript suche und ich mich für die Malerei interessiere. Er legte seine Malsachen auf den Boden und er erzählte mir, dass er leidenschaftlich gerne reist, schon über 100 Inseln besucht habe, Buchhändler und leidenschaftlicher Maler sei. Wir blickten beide Richtung See und Berge. Nun aber lenkte ich meinen Blick Richtung Himmel und fragte mich, ob er mir geschickt worden war. Vielleicht war aber wieder auch alles nur Zufall. Wir unterhielten uns so lange, bis der Schatten kam und die Kühle des Novembers spürbar wurde. Erst dann stellten wir uns einander vor und tauschten unsere Visitenkarten aus.
Eine Woche später war eine Einladung von ihm in meinem Briefkasten – eine Einladung zu einer Vernissage. Zuvor lud er mich in ein Restaurant ein und zeigte mir seine Kunstmappe. Einen Monat später erhielt ich die Zusage eines Verlags für mein Manuskript. Seitdem sind wir von Zeit zu Zeit in Kontakt. Ich lud ihn auch zu meiner ersten Lesung ein. In der Pause wollte ich zur Bar, um mir Wasser zu holen. Es dauerte, denn am Weg dorthin sagten viele Menschen Hallo zu mir. An der Bar kam er auf mich zu.
„Ich muss mit dir reden. Ich muss dir etwas erzählen. Ich glaube, ich war im Paradies. Du könntest es verstehen.“
Seitdem hörten wir eine Zeit lang nichts voneinander, auch wenn ich ab und zu an seine Worte dachte.
„Sag mir bitte nochmal deine Adresse“, sagt er jetzt am Telefon zu mir. „Ich bin im Moment auf einer griechischen Insel. Wir sind hier zum Segeln. Ich habe hier eine wunderschöne Postkarte gefunden. Sie passt perfekt zu dir. Ich möchte sie dir schicken.“
Ich gebe ihm meine Adresse durch und erzähle ihm, dass ich auf einer spanische Insel bin.
„Vielleicht wollen wir uns im Sommer noch treffen? Du wolltest mir noch die Geschichte vom Paradies erzählen“, sage ich zu ihm.
„Ja, sehr gerne, das machen wir. Entweder treffen wir uns in der Wachau oder du kommst zu mir in mein Ferienhaus. Dann siehst du den Garten mit den Seerosen“, sagt er.
„Gerne“, sage ich. „Ich überlege, im August eine Sommerabendparty zu machen. Mit Kunst und Literatur. Da könntest du auch kommen.“
„Wir treffen uns nach unseren Reisen“, sagt er.
Ich lege auf, blicke auf die Markise des Cafés mit der Aufschrift „Matisse“ und bin dankbar. Dankbar für die Begegnung mit ihm, dankbar für das Leben. Mit ihm kann ich über die Schriftstellerei, Malerei und das Reisen sprechen und dabei jegliches Zeitgefühl verlieren. Ich blicke weiter Richtung Berg und Himmel, hier auf dieser spanischen Insel und frage mich erneut: Ist er mir geschickt worden? Doch eigentlich will ich keine Fragen stellen, nicht nachdenken, sondern einfach dankbar sein. Ich bezahle, gehe zurück zum Apartment und mache mir Notizen für mein aktuelles Manuskript. Und vielleicht wird das, was er mir erzählen will, Teil eines neuen Romans.
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