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Pfingstwochenende (1)

Ich bin von mir überrascht, wie ich es schaffe, mich von Zeit zu Zeit selbst in skurrile Situationen zu manövrieren. So geschehen am Pfingstwochenende in Italien. Schon im Winter stand fest, dass die gesamte Familie das Pfingstwochenende in Italien verbringen wird. Das machen wir nun seit ein paar Jahren. Meine Familie wollte in das uns bekannte, altbewährte Hotel. Ich eigentlich nicht. Ich hatte Bedenken. Ich sagte meiner Familie, dass das keine gute Idee sei. Als ich zum ersten Mal in diesem Hotel war und zur Rezeption ging, um nach den Tischtennisschlägern zu fragen, stand ein Mann vor mir, den ich ansah und ich wusste, dass ich ihn kenne, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen hatten. Diese Begegnung stellte mein Leben ordentlich auf den Kopf und bereitete mir unzählige schlaflose Nächte. Wer dieser Mann ist, weiß ich bis heute nicht so genau. Ich denke der Hotelier selbst, der sich gerne an der Rezeption aufhält. Nun sollte es also wieder in dieses Hotel gehen. Ich äußerte meiner Familie gegenüber meine Bedenken und nannte sogar den Grund. Mir wurde gesagt, dass ich mir das alles nur einbildete und im Grunde genommen nie etwas passiert sei. Nach außen hin war nichts passiert, in meinem Herzen allerdings schon. Ich wollte in ein anderes Hotel. Ich fragte dort an, doch leider war für den gewünschten Zeitraum die gewünschte Zimmeranzahl nicht verfügbar. Schließlich wurde das altbewährte Hotel gebucht. Ich begann mir einzureden, dass ich mir das alles nur eingebildet hatte. Vielleicht war dieses Gefühl bei dieser Begegnung nur aus einer Urlaubslaune heraus entstanden. Mein Herz sagte zwar etwas anderes, aber ich brauchte nun die Hilfe meines Verstandes. Die Wochen verstrichen. Ich bemühte mich nicht über die Hotelwahl nachzudenken und schließlich stand das Wochenende in Italien vor der Tür. Ich war tatsächlich nicht aufgeregt. Auch nicht bei der Ankunft. Ich parkte das Auto vor dem Hotel und stieg aus. Ich beobachtete kurz das Spiel der Schwalben am Himmel, atmete den Duft der Jasminsträucher ein und schon sah ich zwei Hotelangestellte, die ich von unserem letzten Aufenthalt kannte. Wir gingen zur Rezeption. Eine Dame saß dort, die ich auch schon mal gesehen hatte. Ich war erleichtert. Es wurde der übliche Smalltalk geführt. Dabei streifte mein Blick zu einer offenen Tür hinter der Rezeption. Und da saß er beim Schreibtisch. Er sah mich nicht. Ich war froh darüber. Die Dame an der Rezeption fragte nach dem Nachnamen. Ich nannte ihn. Auf einmal blickte er zur Rezeption. Er stand auf, kam auf mich zu. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Ich kramte in meiner Handtasche herum, obwohl ich nichts suchte. So weit wie möglich steckte ich meinen Kopf in die Handtasche.